Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden und Elegien
Darmstadt 1771
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Stabat mater.1766
JEsus Christus schwebt' am Kreuze;Blutig sank sein Haupt herunter,Blutig in des Todes Nacht.
Bey des Mittlers Kreuze standenBang Maria und Johannes,Seine Mutter und sein Freund.Durch der Mutter bange Seele,Ach durch ihre ganze SeeleGieng ein Schwert.
Liebend neiget er sein Antlitz:Du bist dieses Sohnes Mutter!Und du dieser Mutter Sohn!
Engel freuten sich der Wonne,Jener Wonne,Die der Mittler seiner Mutter,Seinem Freunde sterbend gab.Abgetroknet sind nun ihnenAlle Thränen,Mit den Engeln freu'n sie sich.
Wer wird Zähren sanften MitleidsNicht mit diesen Frommen weinen,Die dich HErr im Tode sahn?Wer mit ihnen nicht verstummen,Nicht, wie sie, vor Schmerz versinken,Die dich HErr im Tode sahn?
Wer wird sich nicht innig freuen,Daß der Gottversöhner ihnen,Himmel, deinen Vorschmak gab,Ach, daß JEsus Christus ihnen,Himmel, deinen Vorschmak gab?
Ach, was hätten wir empfundenAm Altar des Mittleropfers,Am Altare, wo er starb!
Seine Mutter, seine BrüderSind die Treuen, die mit EiferHalten, was der Sohn gebot.
Erben sollen sie am ThroneIn der Wonne ParadieseDroben, wo die Krone strahlt.
Sohn des Vaters, aber leiden,Du Vorgänger, leiden müssen deine Brüder,Eh' sie droben an dem Throne,Eh' mit dir sie Erben sind.Nur ein sanftes Joch, o Mittler!Leichte Lasten, göttlicher Vorgänger! sindDeinen Treuen, alle Leiden dieser Welt.
O, du herrlicher Vollender,Der sein Joch mir, seine LastenSanft und leicht alleine macht.Voller MitleidSanft und leicht alleine macht.
Auf dem hohen Todeshügel,Auf der dunklen Schädelstätte,Da, da lernen wir von dir!Da, Versöhner, da von dir!
Dort rufst du mich von der ErdeLaut gen Himmel,Mich zu jenem Erb' im Licht!Ach, zum Erb' im Licht hinauf!
Erdenfreuden,Und ihr Elend,Möchtet ihr dem Wanderer nach SalemStaub unterm Fusse seyn!Kurze Freuden! leichtes Elend!Möchtet ihr dem Wanderer nach SalemStaub unterm Fusse seyn!
Möcht' ich, wie auf AdlersflügelnHin zu euch, ihr Höhen, eilen,Ihr Höhn der Herrlichkeit!Mitgenossen jenes Erbes,Mitempfänger jener Krone,Meine Brüder leitet mich!
Daß dereinst wir, wenn im TodeWir entschlafen, dann zusammenDroben unsre Brüder sehn.Daß, wenn einst wir nun entschlafen,Ungetrennet im Gerichte,Droben unsre Brüder sehn. |
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