BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724 - 1803

 

Oden und Elegien

 

Darmstadt 1771

 

 

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Auf das Jubelfest

der Souveränetät in

in Dännemark

1760

 

Weht sanft auf ihren Grüften, ihr Winde!

Und hat ein unwissender Arm

Der Patrioten Staub wo ausgegraben,

Verweht ihn nicht!

 

Veracht ihn, Leyer, wer sie nicht ehrt!

Und stammt' er auch aus altem Heldenstamme;

Veracht ihn!

 

Sie haben uns der hundertköpfigen Herrschsucht entrissen,

und Einen König gegeben!

 

O Freyheit! Silberton dem Ohre,

Licht dem Verstand, und hoher Flug zu denken!

Dem Herzen groß Gefühl!

O Freyheit, Freyheit! nicht der Demokrat allein

Weiß, wer du bist!

Der guten Könige glükliche Sohn

Der weiß es auch!

 

Nicht für ein Vaterland nur,

Wo das Gesez und Hunderte herrschen;

Auch für ein Vaterland,

Wo das Gesez, und Einer herrscht,

Lokt, wenn der Tod sein grosses Herz verdient,

Auf einem hohen Thermopylä!

Oder auf einem andern Altare des Ruhms

Lokt er sein Haar, und stirbt! – –

 

Unsterblichkeit dir! Mit Blumenkränzen umwindet

Die Muse dein heiliges blutiges Haar!

 

Süß und [und] ehrenvoll ists fürs Vaterland sterben,

Für Friederich, und für des grossen Vaters

Glükliche Kinder, sein Volk!

 

Ich seh, ich seh, Ein Geist der Patrioten

Entflammt der Krieger Schaar!

Du fliessest, Blut fürs Vaterland!

Und Namen izt nicht bekannter,

Als andre Namen sind,

Fliegen, wie Adler, empor!

Die Mutter und die Braut

Troknet schnell die bebende Thräne,

Denn des Toden Verdienste

Möchten Thränen entweihn!

 

Allein mit Weisheit, welche noch männlicher,

Mit Vaterliebe, die viel edler,

Als Muth zu kriegen ist,

Hält Friederich sein Schwert zurük.

Europa donnert! Er schweigt!

 

Dank dir, unser Vater,

Daß wir dein und unser Fest

Unter des segentriefenden Friedens

Beschattenden Fittigen feyern!

 

Nicht mit der lärmenden Pracht

Der Freude, die nur schimmert und tönt,

Nein deiner würdiger, Friederich,

Mit tiefanbetendem Preise des Herrschers der Welten,

Welcher uns dich und deine Väter gab,

Mit stiller Ruhe feyern wir,

Mit Freude tief im Herzen,

Und ihren entzükenden Thränen!

 

Entschlafnes Jahrhundert,

Hebe dein niedergesunkenes Haupt noch einmal empor,

Und gib dem neugebohrnen Jahrhunderte

Den Segen, den du hattest!

 

Es hebt sich auf, und segnet:

Nur Friederich und Christian

Sollen das neue Jahrhundert beglüken!

 

O hierum flehen wir und unsre Kinder,

Vorsehung, dich an!

Vorsehung, dich, die izt die Völker

Mächtig erinnert: Sie herrsche!

 

Hört ihr der Herrscherin donnernde Wage nicht klingen?

In ihren furchtbaren Klang

Schreien Blut und Elend!

Nur wenige singen

Von Frieden da ein!

 

Die donnernde Wage tönt fort, und wägt!

Ein Sandkorn mehr izt in die eine,

Dann in die andre Schale,

Ist Sieg voll Blut und Elend!

 

Noch werden der Krieger Stolzeste sagen:

Nicht deine brüllende Tode

Schrecken mich, deine Wetter nicht, Schlacht!

Aber, das Sinken und Steigen der göttlichen Wagschal,

Und ihr Todeston, schreken mich!

 

O Vorsehung, beschleuß doch endlich,

Endlich die blutigen,

Wiederbesiegten Siege

Mit einem der Frieden gebeut!

 

So wollen unser Vater und wir,

Er, daß Er uns liebet!

Wir, daß wir Ihn lieben!

Ohne Wehmuth uns freuen!

 

Wie glüklich sind wir!

Weht über der Patrioten Gebeinen,

Ihr Winde, sanft!

Und an Friederichs ungehinderter Gnade

Haben sie Theil!

 

O Tag der Feyer, wie groß bist du!

Mit dir beginnte

Ein neues Jahrhundert der Gnade!