Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden und Elegien
Darmstadt 1771
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Die beyden Musen.
Ich sah – O sagt mir, sah ich was izt geschieht,Oder was seyn wird? – Mit der britannischenSah ich die deutsche Mus' im StreitlaufHeiß zu dem krönenden Ziele fliegen.
Zwey Ziele gränzten, wo sich der Blik verlohr,Dort an der Laufbahn, dieses umschattetenGeweihte Lorbeern, jenes weitreWehende Palmen im Abendschimmer.
Gewohnt des Streitlaufs trat die von AlbionKühn in die Schranken, so wie sie kam, da sieEinst mit der Mäonid' und jenerVom Capitol in den heissen Sand trat.
Sie sah die junge, bebende Streiterin,Doch diese bebte männlich, und glühendeSiegswerthe Röthen überströhmtenFlammend die Wang', und ihr wehend Haar flog.
Schon hielt sie mühsam in der empörten BrustDen engen Odem, hing schon hervor gebeugtDem Ziele zu, schon klang des HeroldsSilberton ihr, und ihr trunkner Blik schwamm.
Stolz auf die Kühne, stolzer auf sich bemaßDie hohe Brittin, aber mit edlem Blik,Die Tochter Teutons: «Zwar bey BardenWuchs ich mit dir im Eichenhayn auf:
Doch glaubt ich, daß du lange gestorben seyst.Verzeih o Muse, wann du unsterblich bist,Verzeih, daß ich es izt erst lerne;Doch nur am Ziele, da will ich es lernen!
Dort steht es! Aber siehst du das weitreUnd seine Kron' auch? Diesen gehaltnen Muth,Dieß stolze Schweigen, diesen Blik, derFeuervoll niedersieht, diese kenn' ich.
Doch eh' der Herold dir zu gefahrvoll tönt,Sinn es nach, noch einmal! Bin ich es nicht, die schonMit der am Thermopyl gestritten,Und mit der hohen der sieben Hügel?»
Sie sprachs. Du grosser richtender AugenblikKamst mit dem Herold näher. «Ich liebe dich,Sprach schnell mit Muth im Blik Teutona,Brittin ich liebe dich mit Bewundrung
Doch dich nicht heisser als die Unsterblichkeit,Und jene Palmen. Nimm sie, dein GeniusWann ers gebeut, zuerst; doch faß ich,Wann du sie fassest, dann gleich die Kron' auch.
Und, o wie beb' ich! o ihr Unsterblichen!Vielleicht erreich' ich eher das hohe Ziel!Dann mag, o dann! an meineFliegende Loken dein Odem hauchen.»
Izt klang der Herold; adlerschnell flogen sie,Die hohe Laufbahn stäubte wie Wolken auf,Ich sah's, der Lorbeer bebt', und dunklerWehte der Staub, und mein Blik verlohr sie. |
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