BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724 - 1803

 

Oden und Elegien

 

Darmstadt 1771

 

 

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Hermann und Thusnelde.

1753

 

Thusnelde.

Ha! da kömmt er mit Schweiß, mit Römerblute,

Mit dem Staube der Schlacht bedekt! So schön war

Hermann niemals! So hat's ihm

Noch nicht vom Auge geflammt!

Komm! Ich bebe vor Lust, reich mir den Adler,

Und das triefende Schwerd! Komm, athm', und ruhe

Von der donnernden Schlacht in

Meinen Umarmungen aus!

Ruh' hier, daß ich den Schweiß der Stirn abtrokne

Und der Wange das Blut! Wie glüht die Wange!

Hermann! Hermann! So hat dich

Noch nicht Thusnelde geliebt!

Selbst nicht, als du zuerst im Eichenhaine

Mit dem bräunlichen Arm mich wilder faßtest!

Fliehend blieb ich, und sah dir

Schon die Unsterblichkeit an,

Die nun dein ist! Erzählt's im dunklen Haine,

Daß Augustus nun bang mit seinen Göttern

Nectar trinkt! daß Hermann,

Hermann, unsterblicher ist!

 

Hermann.

Warum lokst du mein Haar? Liegt nicht der stumme

Tode Vater vor uns? O, hätt' Augustus

Seine Reiter geführt! Er

Läge noch blutiger da!

 

Thusnelde.

Laß dein fliegendes Haar mich, Hermann, loken!

Daß es unter dem Kranz im Kreise falle!

Siegmar ist bei den Göttern!

Besser gefolgt, als beweint!