BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724 - 1803

 

Oden und Elegien

 

Darmstadt 1771

 

 

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An Herrn Bodmer.

1751

 

Der die Schikungen lenkt, läßt oft den frömmsten Wunsch,

Mancher Seeligkeit goldnes Bild,

unvollendet, und weht da Labyrinth hin,

Wo ein Sterblicher gehen will.

In der Fernen sieht GOtt, auf der Unendlichkeit

Uns unsichtbaren Schauplaz hin.

Herzen finden sich nicht, die für einander doch,

Und zur Liebe geschaffen sind.

Izo trennet die Nacht fernerer Himmel sie;

Izo lange Jahrhunderte!

Niemals sah dich mein Blik, göttlicher Addison;

Niemals lehrte dein Mund mich selbst.

Niemals lächelte mir Rowe, Britanniens

Unschuldsvolle Bewohnerin.

Auch dich werd' ich nicht sehn, der du in ferner Zeit,

Wenn ich lange gestorben bin,

Für mein Herze gemacht, und mir der ähnlichste,

Nach mir einmal auch seufzen wirst,

Auch dich werd' ich nicht sehn, wie du dein Leben lebst;

Werd' ich einst nicht dein Genius.

Also ordnet es GOtt, welcher ins Feuer sieht,

Tiefer hinan ins Unendliche!

Oft erfüllet er auch, was das erzitternde

Volle Herz kaum zu wünschen wagt.

Wie von Träumen erwacht, sehn wir dann unser Glük,

Sehn's mit Augen und glauben's kaum.

Dieses Glüke ward mir, da ich das erstemal

Bodmers Armen entgegen kam.