BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724 - 1803

 

Oden und Elegien

 

Darmstadt 1771

 

 

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An Daphnen.

1749

 

Wenn ich einst tod bin, wenn mein Gebein, wie Staub

Lange zerstreut ist, wenn du, mein Auge, nun

Ueber das Schiksal meines Lebens

Ausgeweint hast, und gebrochen zufälst,

 

Und still anbetend nach dem Olympus hin

Nicht mehr hinauf blikst, wenn mein ersungner Ruhm,

Die Frucht von meinen jungen Thränen,

Und von der Liebe zu dir, Messias,

 

Entweder aus ist, oder von wenigen

In jene Welt hinüber gerettet wird;

Wenn du alsdann, o meine Daphne,

Lang auch schon tod bist, wenn deiner Augen

 

Stillheitres Lächeln, und ihr beredter Geist

Nun ausgelöscht ist, wenn du, unangemerkt,

Dem Pöbel, deines ganzen Lebens

Edlere Thaten nunmehr gethan hast,

 

Werther des Nachruhms, als ein unsterblich Lied,

Ach! wenn du dann auch einen Glükseligern,

Als mich geliebt hast, laß den Stolz mir!

Einen Glükseligern, doch nicht Edlern:

 

Dann wird ein Tag seyn, den werd' ich auferstehn!

Dann wird ein Tag seyn, den wirst du auferstehn!

Dann trennt kein Schiksal mehr die Seelen,

Die du einander, Natur, bestimmtest.

 

Dann wägt, die Wage des Gerichts in der Hand,

GOtt Glük und Tugend gegen einander gleich!

Was in der Dinge Lauf izt misklingt,

Tönt dann in ewigen Harmonien!

 

Wenn du dann da stehst, jugendlich auferwekt,

Dann eil' ich zu dir! warte nicht, bis mich erst

Ein Seraph bey der Rechten fasse,

Und mich, Unsterbliche, zu dir führe.

 

Dann soll dein Bruder, von mir getreu umarmt,

Mit zu dir eilen, dann will ich thränenvoll,

Voll süser Thränen jenes Lebens,

Neben dir stehn, dich mit Namen nennen,

 

Und dich umarmen! Ach dann, o Ewigkeit,

Bist du ganz unser! Kommt, unbesingbare,

Kommt unaussprechlich süse Freuden!

So unaussprechlich, als izt mein Schmerz ist!

 

Fliest unterdessen, fliest melancholische

Stunden vorüber! Keine von Thränen leer!

Keine der bangen schwermuthsvollen

Zärtlichkeit leer! Und umwölkt und dunkel!