Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden und Elegien
Darmstadt 1771
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An des Dichters Freunde.
Wie Hebe, kühn, und jugendlich ungestüm,Wie mit dem goldnen Köcher Latonens Sohn,Unsterblich sing' ich meine Freunde,Feyernd in mächtigen Dithyramben.
Wilst du zu Strophen werden, o Lied, oderUnunterwürfig Pindars Gesängen gleich,Gleich Zevs erhabenen trunkenen Sohne,Frey aus der schaffenden Seele taumeln?
Die Wasser Hebrus wälzten sich adlerschnell,Mit Orpheus Leyer, welche die Haine zwang,Daß sie ihr folgten, die die FelsenTaumelnd und himmelab wandeln lehrte.
So floß der Hebrus; groser UnsterblicherMit fortgerissen folgte dein fliehend HauptBlutig mit toder Stirn, die LeyerHoch im Getös ungestümmer Wogen.
So floß der Fluß, des Oceans Sohn, daher;So fliest mein Lied auch ernst und gedankenvoll;Deß spott' ich, der es unbegeistert,Richterisch und philosophisch höret.
Den segne Lied! ihn segne mit festlichenEntgegen geh'nden hohen Begrüsungen,Der dort um dieses Tempels SchwellenGöttlich, mit Reben umlaubt, hereintrit.
Dein Priester wartet. Sohn der Olympier!Wo bleibst du, kommst du von dem begeisterndenPindus der Griechen? oder kommst duVon den unsterblichen sieben Hügeln?
Wo Zevs und Flaccus neben einander,Mit Zevs und Flaccus, Scipio donnerte,Wo Maro, mit dem Capitole,Um die Unsterblichkeit göttlich zankte?
Stolz mit Verachtung sah er die EwigkeitVon Zevs Pallästen. «Einst wirst du Trümmer seyn,Dann Staub, dann des Sturmwinds Gespiele,Du Capitol, und du GOtt der Donner!»
Wie oder kommst du von der BritannierEiland herüber? GöttercolonienSendet vom Himmel GOtt den Britten,Wenn er die Sterblichen dort beseelet.
Sey mir gegrüset! Mir kommst du stets gewünscht,Wo du auch herkommst, Sohn der Olympier,Lieb vom Homerus, lieb vom Maro,Lieb von Britanniens Göttereilande!
Aber geliebter, trunken und weisheitsvollVon Weingebürgen, wo die UnsterblichenTaumelnd herumgehn, wo die MenschenUnter Unsterblichen Götter werden.
Da kommst du izt her. Schon hat der RebengottSein hohes geistervolles Horn über dichReich ausgegossen. Evan schaut dirEbert aus hellen verklärten Augen.
Dir streute, Freund, mein Genius Rebenlaub,Der unsern Freunden rufet, damit wir uns,Wie in den Elysäer Feldern,Unter dem Flügel der Freud' umarmen.
Sie kommen, Cramern geht PolyhymniaMit ihrer hohen tönenden Leyer vor,Sie geht und sieht auf ihn zurüke,Wie auf den hohen Olymp der Tag sieht.
Sing, Freund noch Hermann. Jupiters Adler wektDein Lied von Hermann schon voll Entzüken auf;Sein Fittig wird breiter, der SchlummerWölkt sich nicht mehr um sein feurig Auge.
Die deutsche Nachwelt, wann sie der Barden Lied -Wir sind ihr Barden - künftig in Schlachten singt,Die wird dein Lied hoch im GetöseEiserner Kriege gewaltig singen.
Schon hat den Geist der Donnerer ausgehaucht;Schon wälzt sein Leib sich blutig im Rheine fort;Doch bleibt am leichenvollen UferHorchend der flüchtige Geist noch schweben,
Izt reist dich Gottes Tochter, Urania,Allmächtig zu sich, GOtt der Erlöser istDein heilig Lied. Auf! segn' ihn, Muse!Segn' ihn zum Liede der Auferstehung!
Doch, Freund, du schweigst, und siehest mich Weinenden!Ach! warum starbst du? Göttliche Radikin!Schön, wie die junge Morgenröthe,Heilig und still, wie der Sabbath Gottes.
Nimm diese Rosen, Gieseke, LesbiaHat sie mit Zähren heute noch sanft benezt,Als sie dein Lied mir, von den SchmerzenDeiner Gespielin, der Liebe, vorsang.
Du lächelst, Freund! Dein Auge voll ZärtlichkeitHat mir dein Herz schon dazumal zugewand,Als ich zum erstenmal dich sahe,Als ich dich sahe, und du mich nicht kantest.
Wenn ich einst tod bin, Freund, so besinge mich!Dein Lied voll Thränen soll den entfliehenden,Dir treuen Geist, noch um dein Auge,Das mich beweint, zu verweilen zwingen.
Dann soll mein Schuzgeist, schweigend und unbemerkt,Dreymal dich segnen, dreymal dein heilig HauptUmfliegen, und nach mir beym AbschiedDreymal noch sehn, und dein Schuzgeist werden.
Hasser der Thorheit, aber auch Menschenfreund,Allzeit gerechter Rabner! dein heller Blik,Dein lächelnd Antliz ist nur Freunden,Freunden der Tugend, und deinen Freunden,
Stets liebenswürdig. Aber dem Thor bist duStets furchtbar. Lach' ihn ohne BarmherzigkeitTod. Laß kein unterwürfig Lachen,Freund, dich im strafenden Zorne stören!
Stolz und demüthig ist der Thor lächerlich.Sey unbekümmert, wüchs auch der Narren ZahlStets; wenn zu ganzen Völkerschaften,Auch Philosophen die Welt bedekten:
Wenn du nur Einen jedes Jahrhundert nährst,Und den weisern Völkerschaften zugeselst;Wohl dir! wir wollen deine Siege,Die wir prophetisch sehn, feyerlich singen.
Der Nachwelt winkend, sez' ich dein heilig BildZu Lucianen, und zu Swiften hin.Hier solst du, Freund, den Namen (wenig'Führten ihn) des Gerechten führen.
Lied! werde sanfter! fliese gelinder fort,Wie auf die Rosen hell aus Aurorens HandDer Morgenthau träufelt; dort kömmt erHeiter, mit lächelnder Stimme, mein Gellert.
Dich soll der schönsten Mutter geliebtesteUnd schönste Tochter lesen, und reizenderIm Lesen werden, dich in Unschuld,(Sieht sie dich etwa wo schlummern) küssen.
Auf meinem Schoos, in meinen UmarmungenSoll einst die Fanny, welche mich lieben wird,Dein süs Geschwäz mir oft erzählen,Und es zugleich an der Hand als Mutter
Die kleinre Fanny lehren. Die Tugend, Freund,Zeigt auf dem Schauplaz niemand allmächtiger,Als du! Da die zwo edlen Schönen,Voll von gesezter und stiller Grosmuth,
Viel tausend Schönen ewig unnachahmbar,Unter die Blumen ruhig sich sezeten,Da weint' ich, Freund, da flossen die ThränenAus dem gerührten, entzükten Auge.
Da stand ich betend, ernst und gedankenvoll.O Tugend, rief ich, Tugend, wie schön bist du!Welch göttlich Meisterstük sind Seelen,Die, dich in sich hervorzubringen, stark sind!
Noch zween kommen! den hat vereintes BlutUnsrer Voreltern zärtlich mir zugeselt;Jenen des Umgangs süse Neigung,Und du Geschmak mit der hellen Stirne:
Schmid, der mir gleich ist, den die unsterblichenHöhern Gesänge neben mir auferziehn,Und Rothe, der sich freyer Weisheit,Und der geselligen Freundschaft heiligt.
Ihr Freunde fehlt noch, die ihr mich künftig liebt.Wo seyd ihr! Ach Zeit! schöne Zeit!Kommt auserwählte süse Stunden,Da ich sie seh, und sie sanft umarme!
Und du, o Freundin, die du mich künftig liebst,Wo bist du! dich sucht, Fanny, mein einsames,Mein bestes Herz, in dunkler Zukunft,In Ungewißheit und Nacht, da sucht's dich.
Hält dich, o Freundin, hält dich die zärtlichsteUnter den Frauen, mütterlich ungestüm,Wohl dir! auf ihrem Schoose lernst duTugend und Liebe zugleich empfinden!
Wie oder ruhst du, wo dir des Frühlings HandBlumen gestreut hat, wo dich sein Säuseln kült;Sey mir gesegnet! dieses Auge,Ach! dein von Zärtlichkeit volles Auge,
Dieser von Zähren schwimmende süse Blik;An Allmacht, Fanny, gleicht er den Himmlischen,An Huld, an süsen Zärtlichkeiten,Gleicht er dem Blik der noch jungen Eva.
Dies Antliz von Tugend, von Grosmuth voll,Dies von Empfindung bebende beste Herz,Dies, o! die du mich künftig liebst,Dieses ist mein, doch du selber fehlst mir!
Du, Fanny, fehlst mir! Einsam, von Wehmuth voll,Und bang und weinend, irr' ich und suche dich,Dich, Freundin, die mich künftig liebt,Ach! die mich liebt, und mich noch nicht kennet!
Siehst du die Thränen, welche mein Herz vergiest,Freund, Ebert! Weinend lehn' ich mich auf dich hin!Gib mir den Becher, diesen vollen,Welchem du winkst, daß ich froh wie du sey!
Doch izt auf einmal wird mir mein Auge hell,Scharf zu Gesichtern, hell zu Begeisterung.Ich sehe, dort an Evans Altar,Tief in dem wallenden Opferrauche,
Da seh' ich langsam heilige Schatten gehn!(Nicht jene, die sich traurig von SterbendenLoshüllen, nein, die, welch' im SchlummerGeistig vom göttlichen Trinker düften.)
Euch bringt die Dichtkunst oftmals im weichen SchoosZu Freunden! kein Aug' unter den SterblichenEntdekt sie; du nur, seelenvolles,Trunk'nes poetisches Auge, siehst sie!
Drey Schatten kommen! Neben den Schatten tönt's,Wie Dyndimene, hoch aus dem Heiligthum,Allgegenwärtig niederrauschet,Und mit gewaltiger Cymbel tönt!
Oder, wie aus den Götterversammlungen,Mit Agyieus Leyerton, himmelab,Und taumelnd, hin auf WeingebürgenSazungenlos Dithyramben, donnern!
Der du dort wandelst, ernsthaft und aufgeklärt,Das Auge voll von weiser Zufriedenheit,Die Lippe voll von feinem Scherz, (ihmHorcht die Aufmerksamkeit deiner Freunde,
Ihm horcht entzükt die feinere Schäferin)Schatten wer bist du! - Ebert! Izt neigt er sichZu mir, und lächelt! - Ja, er ist es!Siehe! der Schatten - der - ist mein Gärtner!
Du deinen Freunden liebster Quintilius,Der unterstellten Wahrheit vertraulichster!Ach komme doch, Gärtner, deinen FreundenEwig zurük! Doch du fliehest und lächelst!
Flieh nicht! Mein Gärtner, flieh nicht! du floh'st ja nicht,Als wir, an jenem traurigen Abende,Um dich, voll Wehmuth, still versammlet,Da dich umarmten, und Abschied nahmen!
Die lezten Stunden, da du uns Abschied nahmst,Der Abend soll mir festlich und heilig seyn!Da lernt' ich, Freund, wie sich die Edlen,Wie sich die wenigen Edlen liebten!
Viel Abendstunden fasset die Nachwelt noch.Lebt sie nicht einsam, Enkel, und heiligt sieDer Freundschaft, wie sie eure VäterHeiligten, und euch Exempel wurden!
In meinen Armen, trunken und weisheitvoll,Sprach Ebert: Evoe! Evoe!; Hagedorn!Da kömmt er über RebenblätternMuthig einher, wie Lyäus, Zevs Sohn!
Mein Herze bebt mir! Stürmend und ungestümZittert die Freude durch mein Gebein dahin!Evoe! mit deinem schweren ThyrsusSchone, mit deinem gefülten Weinkelch.
Dich dekt als Jüngling eine Lyäerin,Nicht Orpheus Feindin, weislich mit Reben zu!Und dies war allen WassertrinkernWunderbar, und die in Thälern wohnen,
Wo Wasserbäch' und Brunnen die Fülle sind,Vom Weingebürgeschatten unabgekühlt!So fliehst du, sicher vor den Schwäzern,Nicht ohne Götter, ein muthiger Jüngling!
Mit seinem Lorbeer hat auch Patareus,Und mit gemischten Myrten dein Haupt umkränzt.Wie Pfeile von dem goldnen KöcherTönt dein Lied: wie des Jünglings Pfeile
Schnell rauschend klangen, da der UnsterblicheNach Peneus Tochter durch die Gefilde flog,Oft wie der Satyrn Hohngelächter,Da sie den Wald noch nicht laut durchlachten.
Zu Wein und Liedern wähnen dich Priester nurAllein gebohren, dann den UnwißendenSind die Geschäfte groser SeelenUnsichtbar stets, und verdekt gewesen.
Dir schlägt ein männlich Herz, auch dein Leben istViel süsgestimmter, als ein unsterblich Lied.Du bist in unsocrat'schen ZeitenWenigen Freunden, ein theures Muster.
Er sprach's. Izt sah ich über den Altar her,Auf Opferwolken, Schlegeln in dicht'rischenGeweihten Lorbeerschatten kommen,Und unerschöpflich, vertieft und ernsthaft,
Um sich erschaffen. Werdet! - da wurden ihmLieder! - die sah ich menschliche BildungenAnnehmen! Ihnen haucht' er, schaffendLeben und Geist ein, und gieng betrachtend
Unter den Bildern, wie BerecynthiaDurch den Olympus hoch im Triumphe geht,Wenn um sie ihre Kinder alleRingsum versammlet sind; - lauter Götter!
Noch eins nur fehlt dir. Werd' uns auch Despreaux!Daß, wenn sie etwa zu uns vom Himmel kömmt,Die goldne Zeit, der Musen HügelLeer vom undicht'rischen Pöbel da steh'!
Komm, goldne Zeit! Komm, die du die SterblichenSelten besuchst, komm! laß dich Schöpferin!Laß, bestes Kind der Ewigkeiten,Dich über uns mit verklärtem Flügel!
Tief, voll Gedanken, voller Entzükungen,Geht die Natur dir, Gottes Nachahmerin,Schaffend zur Seiten, grose Geister,Wenige Götter der Welt zu bilden.
Natur! dich hör' ich durchs UnermeßlicheWandeln! so wie, mit sphärischem SilbertonGestirne, Dichtern nur vernommen,Niedrigen Geistern unhörbar, wandeln!
Aus allen goldnen Altern begleiten dich,Natur, die grosen Dichter des Alterthums,Die grosen neuern Dichter. SegnendSeh ich ihr heilig Geschlecht hervorgehn! |
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