Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden und Elegien
Darmstadt 1771
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Liebeslied zur Nachahmungdes Trinkliedes.
Noch währt der Schmaus! Noch fließt der Wein!Doch auf, vom Becher weg!Das liebste Mädchen küßt mich heutIm Europäerland!
Schon rauscht ihr leicht gehobner Fus,Und kündigt sie mir an.Heil Phillis dir und deiner BrustUnd ihrem vollen Wuchs!
Ihr Antliz glüht von süser Lust,Und herscht mich zu sich hin!Schon ist ihr sanft geschwoll'ner MundVon meinem Kusse heis.
Sprich lächelnd Weisheit um mich her,Mund, heis von meinem Kuß!Daß aller Welt GlükseligkeitGar nichts dagegen sey!
Die ihr nicht eben nüchtern siztAm bechervollen Tisch!Flieht, flieht den Becher, Phillis küßtDen Durst nach Weine weg.
Willkommen, Herz für mich gemacht!Wenn seelenvoll ihr BlikVon Wollust glüht; dann sink ich sanftAn ihre volle Brust.
Wenn nun mein trunken Auge schwimmt,Entzükung ohne MaasWeit um sich her; dann bebt mein HerzZu ihrem Herzen hin.
Dann treten wir viel seliger,Als Könige daher;Und fühlen, daß dies Wahrheit sey.Das geht durch Mark und Bein!
Uns preist mit frohem UngestümDer Bräut'gam und die Braut.Er schaut auf uns nacheifernd hin,Und küßt sie feuriger.
Und drükt sie milder an sein Herz,Und lispelt ihr ins Ohr:Sind wir den Göttern auch nicht gleich;So lieben wir doch auch!
Uns preist, voll Freuden einer Braut,Die Mutter ihrem Sohn;Sie drükt ihn an ihr Herz und spricht:Sey wie dein Vater war!
Nur uns gehört die Ewigkeit,Wenn wir gestorben sind,Damit der Enkelinnen SohnVersteh, was Liebe sey. |
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