BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724 - 1803

 

Oden und Elegien

 

Darmstadt 1771

 

 

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Ode.

 

Himmlischer Ohr hört das Getön der bewegten

Sterne, den Gang, den Seleno und Pleione

Donnern, kennt es, und freut hinhörend

Sich des geflügelten Halls,

 

Wenn des Planets Pole sich drehn, und im Kreislauf

Wälzen, und wenn, die im Glanz sich verbargen,

Um sich selber sich drehn! Sturmwinde

Rauschen, und Meere dann her!

 

Hesperus Meer, Meere des Monds, und der Erd', ihr

Sanfter; allein wie erhebt's sich's im Bootes!

O wie thürmt sich's empor! Hochwogig

Donnert's am Felsengestad!

 

Psalmengesang tönet darein! Die erhabnen

Feyrer am Thron, die Gerechten und Vollkommnen

Singen Jubel und Preis! Anbetung!

Danken, sie können es, GOtt!

 

Lauter noch schwebt dort der Altar, und die goldne

Königin dort mit dem Palmzweig in der Rechten!

Lauter schwingt sich der Schwan, und lauter

Wehet die Rose daher!

 

Ahndung in mir, dunkles Gefühl der Entzükung,

Welche den Staub an dem Staub einst unaussprechlich

Trösten soll, o Gefühl, Weissager

Inniger, ewiger Ruh!

 

Lispel, entflohn jenem Gesang der entflammten

Söhne des Heils, o besuch oft die beladnen

Erdewanderer, komm mildthätig,

Trokne des Weinenden Blik!

 

Strahlendes Heer, Welten! Ist auch ein Erschafner

Irgendwo wie der Mensch, schwach? Es erschrekt uns

Unser Retter, der Tod! Sanft kömmt er

Leis in Gewölke des Schlafs;

 

Aber er bleibt fürchterlich uns der befrey'nde

Schlummerer, ob er uns gleich wog, zur Vollendung

Führt', aus Hüllen der Nacht, hinüber

Zu der Erkenntnisse Land!

 

Von der Gedult steinigtem Pfad in ein heitres

Wonnegefild! Zur Gesellschaft der Vollkommnen!

Aus dem Leben, das bald durch Felsen

Zögernder flieset, und bald

 

Flüchtiger da, wo, zu verblühn, die bekränzten

Frühling' ihr Haupt in des Thau's Glanz und Gerüchen

Schimmernd heben; es spiel' hinunter,

Oder es säume, Geschwäz!