Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden und Elegien
Darmstadt 1771
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Henoch.Ein Fragment.
Als ich das kleine Leben noch lebte, da noch die StundeMeiner neuen Herrlichkeit säumte; da saß ich oft einsamAn der Ceder im Haine; dann rauschten wallende LüfteDurch die Ceder ihr Leben; es fühlten sich alle NaturenUm mich herum: ich aber empfand die unsterbliche Seele!Damals, o, da schon ergrif mich in Stunden, die ich noch seegne,Oft, mit so unaussprechlicher Neuheit und Wonne, der besteAller Gedanken, der grosse Gedanke, vom ersten der Wesen!Daß von seinem Anschaun die Seele zur tiefsten BewundrungSchauernd hinunter erstaunte! so neu, so niemals empfundenWar sein Gefühl mir! Ich rief, der zitternde Mund nicht! der starrte!Jede Stunde war todt! Der Athem stand bebend! Das LebenStutzt', hielt inne! Die Zeit gieng nicht fort! Doch laut aus der Tiefe,Laut, mit allen Empfindungen, rief die betende Seele:O, wer bist du? - Wer bist du? – du Wesen der Wesen, wer bist du?GOtt! - Unendlich! - der Erste! – Da war es einsam! - du Schönster!Wesen ohn Ursprung! - Doch wars nicht ewig einsam! Du Liebe!Ach! - (nun kam mir die Stimme zurük, nun flossen die Thränen!)Ach! mein Schöpfer! mein GOtt! ich vergeh in den mächtigen Freuden!Dicht, denn dicht um mich ruht deiner Allgegenwart Fülle! |
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