Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden und Elegien
Darmstadt 1771
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Germanikus und Thusnelda.1760
GERMANIKUSBist du, wie es dein Blik, dein stolzer AnstandMir verkündet, bist du Armins Gemahlinn,Der zum Land der CheruskerVom Kapitole den Donner rief?Der traf! Du bist's zuerst, die nun AugustusZum Sühnopfer ergreift! Die allgerechtenGötter schlagen den Mann nun,Der zum Verderben den Seegner zwang.Du antwortest mir nicht? Wie dieser BusenVom verhehlten Stolz schwillt! Was blikst du drohendAuf den Schoos? Izt noch stolzer!Sieh mich an - Rede Cheruskerinn!
THUSNELDADaß nicht, Römer, das Kind hier unterm HerzeDieses Prahlen vernimmt! Der Adlersieger,Der mit fünf Legionen,Hermann, ha! Deine Thusnelda fing!Fing? Ach! Stehet er nicht dort, der gebundenUns dir brachte, du Held? Er war, ach! einst warEr war mein Vater! O Hertha,Räche die einzige Thräne nicht!
GERMANIKUSWahrlich du hast ein Herz, ein Römer sagt's dir,Einer Römerinn wehrt! Laß dieses sprechen,Wär' ich Armins Gefangener,Sage, was würd' der Cherusker thun?
THUSNELDADich erwürgen! Ich dacht', du hätt'st den Altar,Am Altar die Trophäen, da die GebeineDer Tribunen gesehen,Die von den Opfern Odins zeugen.
GERMANIKUSHier sprachst du dein Urtheil! Jedoch vernimm mich!Es sagt Cäsar, durch ihn die Götter, welcheRom verehret; ich siege,Wohl dem Besiegten zu thun! Sey frey!Sag', kömmst du zu Armin: was wüthest du dochWieder dich und dein Volk? Germanikus giebtDeinen Küssen mich wieder!
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