BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724 - 1803

 

Oden und Elegien

 

Darmstadt 1771

 

 

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Psalm.

1753

 

Psalter, singe dem HErrn! Geuß Silbertöne,

Laute Jubel, herab! Ruf, zu der Stimme

Deiner Feyer, Gedanken,

Welche Jehova, den Schöpfer, erhöhn!

 

Du bist herrlich und mild! Du gabst, du Geber!

Dem glükseligen Volk, in deinen Gnaden,

Einen weisen Beherrscher,

Daß er die Ehre der Menschlichkeit sey!

 

Wonn' und Jubel und Dank dem grossen Geber!

Heil dem Könige! Heil dem Gottgegebnen!

Seg'n ihn, wenn du herabschaust,

Schau unverwandt, o Jehova, herab!

 

Schau herunter, und gieb ihm langes Leben,

Sanftes Leben, du GOtt der Menschenfreunde!

Giebs dem Theuren, dem Guten,

Ihm, der die Wonne der Menschlichkeit ist!

 

Den wir lieben! Er ists! Er ist der Jubel

Unsrer Seele! Dir rinnt die Freudenthräne!

Heil dir! Weh dem Erobrer,

Welcher im Blute der Sterbenden geht,

 

Wenn die Rosse der Schlacht gezähmter wüten,

Als der schwillende Held nach Lorbeern wiehert!

Stirb! So tief sie auch wuchsen,

Fand sie des Donnerers Auge doch auf!

 

Flüche folgen ihm nach! - Ein lauter Seegen

Jauchzt dem Göttlichen zu, der dieses Nachruhms

Schwarze Stunden verabscheut,

Sich zu der bessern Unsterblichkeit schwingt!

 

Dann bald höher empor zum Gipfel aufsteigt,

Spricht zum Ruhme: «Du bist kurz, wie das Leben!»

Edel handelt! zum Lohne

Selbst nicht das Auge der Engel begehrt!

 

«Reines Herzens, das seyn!» Es ist die lezte,

Steilste Höhe von dem, was Weis' ersannen,

Weisre thaten! Der Zuruf

Selber des Engels belohnet kein Herz!

 

Keinen König, der GOtt dieß Herz geweiht hat!

Kaum gebohren wird ihm das Kind schon lallen!

Und, geschaffen vor Eden,

Sieht ihn der Seraph, eilt, sagt es vor GOtt!

 

Einen Christen, ich sah den Weisen sterben,

Einen Christen, zur Zeit der neuen Heiden!

Liebend wandt' er sein Auge

Gegen den Enkel, und lächelte so:

 

Erst sey dieses mein Dank, der ewig daure,

Daß mein Schöpfer mich schuf, und nun mich wegwinkt,

Von der Schwelle des Lebens,

Zu dem unsterblichen Leben empor!

 

Und dann bet' ich ihn an, daß dieß mein Auge

Noch den Menschenfreund sah, den uns sein GOtt gab!

GOtt, GOtt segn' ihn! GOtt segn' ihn!

Wende dich nicht, komm, und weine nicht, Sohn!

 

GOtt, GOtt segn' ihn! Hier wird der Tod mir bitter,

Hier nur! Denn nun erblikt mein todtes Auge

Meinen König, den besten,

Ach! den geliebtesten König, nicht mehr!

 

Du, mein glüklicher Sohn, du wirst Ihn lange,

Lange wirst du Ihn sehn, sehn, wenn Sein Alter

Ihn, mit silbernen Haaren,

Und, mit der Wonne des Lebens bedekt,

 

Mit der Wonne, «Vor GOtt gelebt zu haben!

Gute Thaten um sich, in vollen Schaaren,

Zu erbliken!» Sie folgen

Jüngling! Sie folgen ins Weltgericht nach!

 

Vieles sah ich. Ich weis, was groß und schön ist

In dem Leben! Allein das ist das höchste,

Was des Sterblichen Auge

Sehn kann: Ein König, der Glükliche macht!

 

Sey du würdig, von Ihm gekannt zu werden!

Lern bescheidnes Verdienst; Er wird dich kennen!

Und nun - Segne, GOtt, segn' ihn!

Segne der Könige Besten! Er starb.