Friedrich Gottlieb Klopstock
1724 - 1803
Oden und Elegien
Darmstadt 1771
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Abschiedsode an Gieseke.1751
Geh! Ich reise mich los, obgleich der männlichen TugendThränen zu weiblich nicht sind.Geh! Ich weine nicht, Freund; ich müste mein Leben durchweinen,Weint' ich dir, Gieseke, nach.Denn so werden sie alle dahingehn, ein jeder den andernEinsam verlassen, und fliehn.So zertrennet der Tod zween göttliche Gatten; der Mann kamWeinend im Ocean um;Sie am öden Gestade, wo von dem gebeinvollen MeersandSturmwind ihr Grabmal erhöhn.So liegt Miltons Gebein, entfernt vom Gebein Homerus,Und kein Cypressenbaum rauschtVon dem Grabe des einen zum Grabe des andern hinüber,Noch ein beweinender Laut.Also schrieb unser aller Verhängnis auf eiserne TafelnDer im Olympus, und schwieg.Was der in dem Olympus geschrieben, verehr' ich im Staube;Weine gen Himmel nicht auf.Geh, mein zärtlichster Freund, die segnen deine GetreuenAuch vielleicht thränenfrey nach;Wenn die Seele nicht Zähren, den freundschaftslosen unweinbar,Bang und erbebend vergiest.Eile zu Hagedorn hin, und wenn du genug ihn umarmt hast,Wenn euch die erste Begier,Euch zu sehen, gestilt ist, wenn alle Thränen der Freude,Redlich verweint sind, und fliehn;Gieseke, sag ihm alsdann nach drey genossenen Tagen,Daß ich ihn liebe, wie du! |
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